Wenn bei der Hochzeit jemand fehlt

30.10.2026
Alte Armbanduhr und zwei Trauringe auf einem Holztisch. Im Hintergrund eine unscharfe Hochzeitsgesellschaft.

KI-generiertes Symbolbild

Eine Gästeliste kann erstaunlich viele Diskussionen auslösen.

Über Menschen, die ihr unbedingt einladen müsst. Über Begleitungen, die ihr vorher noch nie gesehen habt. Und darüber, ob "Wir sollten uns wirklich mal wiedersehen" bereits eine Einladung zur Hochzeit rechtfertigt.

Und dann gibt es einen Namen, über den ihr nicht diskutieren müsstet.

Dieser Mensch wäre auf jeden Fall dabei.

Wenn er noch leben würde.

Vielleicht eure Mama. Euer Papa. Eure Oma. Euer Opa. Ein Freund, dem ihr die Verlobung am liebsten sofort erzählt hättet.

Während eurer Planung taucht dann womöglich diese Frage auf : "Wie feiern wir unsere Hochzeit, wenn jemand fehlt, der unbedingt dazugehören sollte?"

Wenn ihr das Internet dazu befragt, werden euch einige Ideen angezeigt.

Muss es ein leerer Stuhl sein?

Ein leerer Stuhl mit einem Foto darauf und einer Blume daneben begegnet euch bei der Recherche ziemlich schnell.

Versteht mich bei der nächsten Frage nicht falsch. Es kann für euch genau das Richtige sein.

Aber bevor ihr den Stuhl reserviert, stellt ihn euch kurz vor. Direkt vor euch. Während ihr einzieht, eure Geschichte hört und euch das Ja-Wort gebt.

Möchtet ihr dorthin schauen?

Überlegt auch, wer daneben sitzen würde. Vielleicht ist es für diesen Menschen ein schöner Gedanke. Vielleicht wäre ein anderer Platz angenehmer.

So ein Stuhl kann auch nach Jahren noch Emotionen hervorrufen. Habe ich selbst erlebt.

Vielleicht reicht euch die Uhr

Muss denn jeder Gast erkennen, dass ihr euch erinnert?

Vielleicht tragt ihr die Uhr eures Papas. Den Ring eurer Oma. Oder habt ein Foto in der Tasche. Ohne dass ihr jemandem erklären müsst, was es damit auf sich hat. 

Ihr wisst es. Und das reicht.

Auch ein bestimmtes Lied kann euch an diesen Menschen erinnern. Oder ihr möchtet morgens kurz allein sein und euch Zeit für eure Erinnerungen nehmen, bevor es losgeht.

Und wenn ihr den Namen hören möchtet?

Dann können wir ihn aussprechen.

In einem kurzen Satz. Oder verbunden mit einer Erinnerung, die zu eurer Geschichte gehört.

Dafür müssen wir keine Worte finden, die besonders feierlich klingen. Wir können vorher besprechen, was gesagt werden soll. Und was auf keinen Fall.

Auch darüber, ob dieser Mensch "von oben zuschaut".

Für manche ist das ein tröstlicher Gedanke. Andere können damit überhaupt nichts anfangen.

Liebe Familie: Bitte vorher fragen

Es gibt Überraschungen, die auf einer Hochzeit gut funktionieren.

Eine plötzlich auftauchende Fotopräsentation mit Bildern eines verstorbenen Elternteils würde ich vorher mit dem Paar besprechen.

Auch wenn sie liebevoll gemeint ist. Sie kann traurig machen oder Erinnerungen hervorrufen, mit denen sich das Paar in diesem Moment nicht beschäftigen möchte.

Dasselbe gilt für ein Lied, eine Rede oder die Aufforderung, jetzt gemeinsam eine Kerze anzuzünden.

Fragt vorher. Damit das Paar selbst entscheiden kann, wann und wie es sich darauf einlassen möchte.

Was, wenn ihr euch etwas Unterschiedliches wünscht?

Vielleicht möchte eine Person den Namen unbedingt in der Trauung hören. Die andere hätte die Erinnerung lieber ganz für sich.

Dann ist die erste Aufgabe, herauszufinden, was euch jeweils wichtig ist.

Was würde euch guttun? Wovor habt ihr Sorge? Möchtet ihr selbst etwas sagen? Oder wäre es leichter, wenn eure Rednerin oder euer Redner die Worte übernimmt?

Ihr müsst an diesem Tag nichts beweisen

Auch nicht, wie sehr ihr jemanden vermisst.

Dafür braucht es keinen leeren Stuhl. Keine Kerze. Und keine öffentliche Erwähnung.

Wenn ihr euch dagegen entscheidet, sagt das nichts darüber aus, wie wichtig dieser Mensch für euch war.


Ihr müsst noch keine fertige Idee haben. Eure Rednerin oder euer Redner kann euch sicherlich beraten und mit euch überlegen, welche Worte oder Gesten zu euch passen.

"Da fehlt jemand, den ich gern dabeihätte."

Mehr müsst ihr für den Anfang gar nicht sagen.




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