Traurednerin = Traumjob?

15.06.2026

"Du hast ja einen absoluten Traumjob."

Diesen Satz höre ich tatsächlich ziemlich oft.

Und wisst ihr was?

Ja. Irgendwie stimmt das sogar.

Ich darf mit Menschen in einer ganz besonderen Lebensphase arbeiten. In einer Zeit voller Vorfreude, großer Gefühle und wichtiger Entscheidungen.

Ich lerne die unterschiedlichsten Persönlichkeiten kennen. Menschen, die sich gerade erst gefunden haben. Paare, die bereits seit zwanzig Jahren gemeinsam durchs Leben gehen. Menschen mit völlig unterschiedlichen Geschichten, Lebenswegen und Vorstellungen davon, wie ihre Trauung aussehen soll.

Und ich darf einen kleinen Blick hinter die Kulissen werfen.

Nicht auf die perfekt gestylten Instagram-Bilder.

Sondern auf das echte Leben.

Auf die Gespräche am Küchentisch.

Auf die kleinen Eigenheiten.

Auf die Geschichten, die sonst kaum jemand kennt.

Und genau das liebe ich an meinem Beruf.

Manchmal fühle ich mich fast wie eine Paartherapeutin

Natürlich bin ich keine Therapeutin.

Aber wer mit Paaren arbeitet, erlebt schnell, dass es selten nur um die Traurede geht.

Da geht es um Familien.

Um Erwartungen.

Um Unsicherheiten.

Um unterschiedliche Vorstellungen von der Hochzeit.

Und manchmal auch um Themen, die schon viel länger im Raum stehen.

In den Gesprächen höre ich oft Sätze wie:

"Sind wir eigentlich die Einzigen, die darüber diskutieren?"

Oder:

"Ist das normal, dass wir uns bei diesem Thema nicht einig sind?"

Und ganz oft kann ich sagen:

Nein.

Seid ihr nicht.

Denn viele Paare beschäftigen ähnliche Fragen. Viele erleben ähnliche Herausforderungen. Viele führen dieselben Gespräche. Allein das zu hören, tut oft schon gut. Zu merken, dass man nicht komisch ist.

Die Seite, die kaum jemand sieht

Und trotzdem gibt es noch eine andere Seite meines Berufs. Die Seite, über die man auf Instagram eher selten spricht. Denn eine freie Rednerin hält nicht einfach nur Traureden.

Wäre schön.

Tatsächlich verbringe ich einen erstaunlich großen Teil meiner Zeit mit Dingen, die mit dem eigentlichen Reden gar nichts zu tun haben.

Da sind Social Media Beiträge.

Blogartikel.

Websitepflege.

Suchmaschinenoptimierung.

Google-Ranking.

Netzwerktreffen.

Angebote.

Rechnungen.

Buchhaltung.

Finanzamt.

Krankenkasse.

Versicherungen.

Und ungefähr hundert weitere Aufgaben, die niemand sieht. Vor Kurzem habe ich mich mit einer anderen Dienstleisterin darüber unterhalten und wir waren uns schnell einig:

Die Arbeit mit den Menschen lieben wir beide.

Die Selbstständigkeit drumherum kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Denn man ist nicht nur Rednerin. Sondern gleichzeitig Marketingabteilung, Buchhaltung, Kundenservice, Social-Media-Managerin und Geschäftsführung.

Warum es sich trotzdem richtig anfühlt

Wenn ich ehrlich bin, fühlt es sich gerade trotzdem richtig an.

Richtig, diesen Weg gegangen zu sein.

Richtig, etwas Eigenes aufzubauen.

Richtig, Verantwortung für meine Ideen und meine Arbeit zu übernehmen.

Nicht, weil mir immer alles leicht fällt.

Sondern weil ich jeden Tag merke, dass ich genau das machen darf, was mir wirklich Freude bereitet.

Wenn ein Paar nach der Trauung sagt:

"Genau so haben wir uns das vorgestellt." Wobei mir noch lieber ist, wenn ich ihre Erwatungen übertroffen habe.

Wenn Gäste lachen, weinen oder beides gleichzeitig.

Wenn Menschen mir ihr Vertrauen schenken und ich ihre Geschichte erzählen darf.

Deshalb lautet meine Antwort auf die Frage:

Ist Traurednerin ein Traumjob? Ja.

Aber wie bei jedem Traumjob gehört auch hier eine Menge Arbeit dazu, die niemand sieht.



Ich bin neugierig:

Gibt es einen Beruf, den ihr früher für einen absoluten Traumjob gehalten habt – 

und heute ganz anders seht?


Share