Hochzeitstag und Stress: Wenn plötzlich alle Augen auf euch gerichtet sind

Foto: Style Shoot / Anja Heuel
Viele Paare denken bei Hochzeitsstress zuerst an die Planung.
An die Gästeliste.
An die Sitzordnung.
An die Dienstleister.
An die hundert Entscheidungen, die vorher getroffen werden müssen.
Doch manchmal kommt der eigentliche Stress erst am Hochzeitstag selbst. Dann, wenn monatelange Planung plötzlich Realität wird.
Und wenn einem bewusst wird:
"Oh. Das passiert jetzt wirklich."
Wenn sich plötzlich alles um dich dreht
Im Alltag sind die meisten von uns es gar nicht gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen.
Wir gehen zur Arbeit.
Treffen Freunde.
Erledigen unseren Kram.
Und dann kommt dieser eine Tag.
Der Einzug.
Die Trauung.
Der Sektempfang.
Die Glückwünsche.
Die Fotos.
Der Eröffnungstanz.
Und plötzlich sind da ganz viele Menschen, die auf euch schauen. Eigentlich den ganzen Tag. Das kann ziemlich viel sein. Vor allem für Menschen, die Aufmerksamkeit normalerweise eher vermeiden.
"Alle schauen mich an."
Diesen Satz höre ich recht oft. Nicht nur von introvertierten Menschen. Sondern auch von Menschen, die sonst sehr selbstbewusst wirken. Denn eine Hochzeit ist etwas Besonderes. Und genau deshalb fühlt sie sich oft anders an als Geburtstage, Familienfeiern oder andere Feste.
Plötzlich sitzt man vorne.
Menschen beobachten jede Reaktion.
Jede Träne.
Jedes Lächeln.
Und manchmal sogar, ob man genug lächelt.
Kein Wunder, dass man da nervös wird.
Die gute Nachricht: Niemand beobachtet euch so genau, wie ihr denkt
Das ist vielleicht die größte Überraschung.
Während viele Brautpaare denken: "Hoffentlich merkt niemand, wie nervös ich bin."
denken die Gäste meistens: "Ach, wie schön die beiden aussehen."
Oder: "Ich freue mich so für sie."
Eure Gäste kommen nicht zu eurer Hochzeit, um euch zu bewerten.
Sie kommen, weil sie euch mögen. Weil sie euch begleiten wollen. Weil sie sich mit euch freuen.
Ihr müsst keine Hauptrolle spielen können
Ich glaube, viele Hochzeitspaare denken unbewusst, sie müssten an ihrem Hochzeitstag auf einmal jemand anderes sein.
Locker.
Entspannt.
Schlagfertig.
Souverän.
Aber warum eigentlich?
Ihr müsst keine perfekten Gastgeber sein. Ihr müsst keine Entertainer sein. Und ihr müsst auch nicht den ganzen Tag strahlen.
Ihr dürft nervös sein.
Ihr dürft emotional sein.
Ihr dürft zwischendurch kurz überfordert sein.
Das macht euch doch nur menschlich.
Was ich bei freien Trauungen oft beobachte
Die Nervosität ist meistens kurz vor der Trauung am größten.
Dann kommt der Einzug.
Alle stehen auf.
Alle schauen nach vorne.
Und viele denken beim Einzug:
"Bitte nicht stolpern." So ging es mir übrigens auch bei meiner eigenen Hochzeit.
Und dann passiert etwas Interessantes.
Sobald die Zeremonie beginnt, wird es oft ruhiger. Weil der Fokus plötzlich nicht mehr auf dem Publikum liegt. Sondern auf dem Menschen gegenüber.
Auf der Geschichte.
Auf dem Moment.
Und plötzlich wird aus:
"Alle schauen mich an."
ein:
"Ach ja. Darum geht es heute."
Drei Dinge, die am Hochzeitstag helfen können
1. Hör auf, den ganzen Raum wahrzunehmen
Kurz vor dem Einzug machen viele den Fehler, den kompletten Raum scannen zu wollen.
Wer sitzt wo?
Wer schaut mich an?
Wie viele Menschen sind eigentlich da?
So fühlt sich alles riesig an. Versuch stattdessen, deinen Fokus klein zu machen. Schau auf die Person neben dir. Auf die Hand, die du hältst. Oder auf einen vertrauten Menschen in der ersten Reihe.
2. Atme länger aus als ein
Klingt banal und wahrscheinlich habt ihr diesen Tipp schon hundertmal gehört.
Wenn wir nervös sind, wird die Atmung oft schnell und flach. Versuch kurz vor der Trauung bewusst etwas länger auszuatmen als einzuatmen.
Einfach:
Einatmen.
Ausatmen.
Und die Ausatmung etwas verlängern. Wenn es dir hilft, schließe dabei kurz die Augen.
3. Niemand erwartet Perfektion
Eure Gäste sitzen dort nicht mit einer Checkliste.
Niemand bewertet, ob du souverän genug wirkst.
Ob deine Stimme kurz zittert.
Oder ob du nervös bist.
Die Menschen sind da, weil sie euch mögen.
Nicht weil sie euch prüfen wollen. Niemand erwartet Perfektion. Wirklich nicht. Es geht um Atmosphäre, um das Gefühl "Ist-das-nicht-schön."
Und wenn du am Hochzeitstag nervös bist
Ist das doch ein gutes Zeichen. Denn es zeigt dir:Dieser Tag ist dir wichtig.
Und ehrlich gesagt wäre es fast ein bisschen seltsam, wenn er dich komplett kaltlassen würde.
Oder was meinst du?