Freie Trauung – ist das nicht irgendwie Fake?

Foto: Style Shoot / Sabrina Timm
Diese Frage begegnet mir tatsächlich immer wieder.
Manchmal ganz direkt:
"Aber bei einer freien Trauung heiratet man doch gar nicht wirklich, oder?"
Oder etwas vorsichtiger:
"Ist das dann nicht irgendwie nur gespielt?"
Und ich verstehe, woher dieser Gedanke kommt.
Denn wenn wir über "heiraten" sprechen, meinen wir meistens zwei Dinge gleichzeitig.
Das eine ist der rechtliche Teil.
Und das andere ist der Moment, in dem zwei Menschen vor den Menschen, die ihnen wichtig sind, Ja zueinander sagen.
Bei einer standesamtlichen Trauung passiert beides zusammen.
Bei einer freien Trauung nicht.
Rechtlich gesehen? Nein.
Eine freie Trauung ersetzt in Deutschland keine standesamtliche Eheschließung.
Ich darf euch nicht rechtskräftig verheiraten. Nach einer freien Trauung seid ihr also nicht automatisch Ehepartner vor dem Gesetz.
Wenn ihr rechtlich verheiratet sein möchtet, führt der Weg über das Standesamt.
Das ist ziemlich eindeutig.
Aber bedeutet das im Umkehrschluss, dass alles andere nur Fake ist?
Für mich nicht.
Denn was genau wäre daran eigentlich "fake"?
Die Geschichte, die wir während der Zeremonie erzählen?
Die ist echt.
Die Menschen, die ihr eingeladen habt?
Sind echt.
Das Versprechen, das ihr euch gebt?
Ebenfalls.
Die Nervosität kurz vorher, der Blick beim Einzug, das Lachen zwischendurch und vielleicht auch die eine oder andere Träne?
Alles ziemlich echt.
Eine freie Trauung behauptet nicht, etwas zu sein, was sie nicht ist.
Sie ist keine rechtliche Eheschließung.
Sie ist eine persönliche Zeremonie.
Und genau darin liegt für mich der Unterschied.
Standesamt und freie Trauung haben unterschiedliche Aufgaben
Das Standesamt regelt den rechtlichen Teil eurer Ehe.
Eine freie Trauung hat eine andere Aufgabe.
Hier geht es um euch.
Darum, wie aus zwei Menschen irgendwann ein Paar wurde. Was euch verbindet. Was ihr miteinander erlebt habt. Was vielleicht nicht immer einfach war. Worüber ihr gemeinsam lachen könnt. Und warum ihr heute überhaupt hier sitzt und sagt:
Mit dir möchte ich weitergehen.
Dafür brauche ich keine amtliche Unterschrift innerhalb der Zeremonie.
Ich brauche eure Geschichte.
"Aber das Ja-Wort zählt dann doch gar nicht."
Juristisch?
Nein.
Emotional kann es trotzdem der Moment sein, der sich für euch wie eure eigentliche Hochzeit anfühlt.
Und genau deshalb entscheiden sich manche Paare dafür, das Standesamt relativ klein zu halten und ihre freie Trauung später mit Familie und Freunden zu feiern.
Andere legen beide Termine auf denselben Tag.
Und wieder andere möchten überhaupt nicht standesamtlich heiraten – aber trotzdem eine Zeremonie erleben, in der sie ihre Beziehung und ihr Versprechen feiern.
Auch das ist möglich.
Denn eine freie Trauung ist eben genau das:
frei.
Und die Ringe?
Auch die dürft ihr natürlich während einer freien Trauung tauschen.
Genauso könnt ihr euch ein persönliches Eheversprechen geben, eine Ja-Frage beantworten, Musik einbauen oder eure Familien und Freunde beteiligen.
Ihr könnt ein Ritual wählen.
Oder ganz bewusst keines.
Ihr könnt gemeinsam einziehen.
Getrennt.
Mit euren Kindern.
Mit Papa, Mama, Oma oder eurem Hund.
Es gibt keinen vorgeschriebenen Ablauf, den wir abarbeiten müssen, damit eure Zeremonie "gültig" genug wirkt.
Eine freie Trauung muss keine standesamtliche Trauung nachspielen
Ich glaube, genau hier entsteht manchmal dieses "Fake"-Gefühl.
Wenn eine freie Trauung versucht, möglichst exakt das nachzubauen, was man von einer offiziellen Trauung kennt, könnte man sich tatsächlich fragen:
Warum machen wir das eigentlich zweimal?
Aber das ist überhaupt nicht mein Anspruch.
Ich möchte das Standesamt nicht kopieren.
Ich möchte mit euch eine Zeremonie gestalten, die einen ganz anderen Raum bekommt.
Mit eurer Geschichte.
Eurem Humor.
Euren Menschen.
Euren Worten.
Und den Dingen, die zu euch gehören.
Weil es eure Hochzeit ist.
Vielleicht ist die bessere Frage also eine andere
"Was soll sich für uns nach Hochzeit anfühlen?"
Für manche ist das der Moment im Standesamt, in dem sie die Urkunde unterschreiben.
Für andere ist es der Moment, in dem sie bei ihrer freien Trauung voreinander stehen.
Und für viele gehört einfach beides zusammen.
Keines davon muss gegen das andere antreten.
Rechtlich nicht dasselbe. Persönlich trotzdem echt.
Vielleicht lässt sich die ganze Diskussion genau darauf herunterbrechen.
Eine freie Trauung hat keine rechtliche Wirkung.
Das sollte jedes Paar wissen, bevor es sich dafür entscheidet.
Aber eure Worte, eure Geschichte und das Versprechen, das ihr euch gebt, werden dadurch nicht weniger ernst.
Und wenn mich jemand fragt:
"Ist eine freie Trauung dann nicht irgendwie Fake?"
dann antworte ich:
Nein. Sie erfüllt einfach eine andere Aufgabe.
Das Standesamt macht eure Ehe offiziell.
Die freie Trauung macht daraus eure Geschichte.
Und genau dafür bin ich da. ❤️