Und Jetzt? Wenn nach der Hochzeit das große Loch kommt

Die Hochzeit ist vorbei.
Die Blumen stehen vielleicht noch auf dem Tisch. Auf dem Handy sammeln sich die ersten Fotos und Videos. Irgendwo liegen Karten, Geschenke und Dinge, die noch zurückgebracht werden müssen. Und vermutlich erzählt ihr euch zum zehnten Mal, was an diesem Tag alles passiert ist.
Eigentlich müsstest du gerade unglaublich glücklich sein.
Und trotzdem fühlt es sich irgendwie komisch an.
Vielleicht bist du traurig. Vielleicht erschöpft. Vielleicht gereizt. Vielleicht fühlst du dich einfach leer. Oder du ertappst dich dabei, wie du denkst:
"Und das war es jetzt?"
Willkommen beim sogenannten After Wedding Blues oder Post Wedding Blues.
Ganz wichtig: Dieses Gefühl bedeutet nicht, dass mit deiner Hochzeit, deiner Beziehung oder deiner Ehe etwas nicht stimmt.
Was ist der After Wedding Blues?
Mit After Wedding Blues wird das emotionale Tief beschrieben, das manche Menschen nach ihrer Hochzeit erleben. Statt ausschließlich glücklich und erleichtert zu sein, kommen nach dem großen Tag plötzlich Traurigkeit, Leere, Antriebslosigkeit oder eine gewisse Orientierungslosigkeit auf.
Das klingt im ersten Moment vielleicht widersprüchlich.
Schließlich ist gerade etwas Schönes passiert.
Aber wenn wir uns anschauen, was in den Monaten davor los war, wird dieses Gefühl sehr viel nachvollziehbarer.
Denn eine Hochzeit ist nicht einfach nur ein Tag.
Für viele Paare ist sie über Monate ein ziemlich großes Projekt.
Monatelang war dein Kopf voll
Location. Gästeliste. Kleid. Dienstleister. Sitzordnung. Musik. Deko. Ablauf. Wetter. Familie. Änderungen. Nachrichten. Entscheidungen.
Noch das und das.
Und ach ja – das müssen wir auch noch machen.
Je näher die Hochzeit kommt, desto mehr nimmt sie Raum ein. Nicht nur im Kalender, sondern auch im Kopf.
Dazu kommt die Vorfreude. Du zählst Monate, irgendwann Wochen und schließlich Tage.
Noch 100 Tage.
Noch vier Wochen.
Nächste Woche heiraten wir.
Morgen.
Dann ist er da, dieser Tag, auf den ihr so lange hingearbeitet habt.
Und so schnell er beginnt, so schnell endet er auch wieder.
Von 100 auf fast 0
Genau dieser Wechsel kann sich ziemlich merkwürdig anfühlen.
Vor der Hochzeit gab es ständig etwas zu entscheiden, zu organisieren oder worauf du dich freuen konntest. Danach fallen viele dieser Aufgaben innerhalb kürzester Zeit weg.
Das kann zunächst wunderschön sein.
Endlich keine Sitzordnung mehr.
Keine Nachrichten an Dienstleister.
Keine Frage, ob Tante Sabine jetzt wirklich neben Onkel Klaus sitzen kann. 😄
Aber diese Ruhe kann sich eben auch ungewohnt anfühlen.
Denn auf einmal fehlt etwas, das deinen Alltag über einen langen Zeitraum begleitet hat.
Das muss nicht unbedingt die Hochzeit selbst. Sondern vielleicht das Planen. Die Vorfreude. Das gemeinsame Projekt. Das ständige "Darauf arbeiten wir gerade hin".
"Aber ich müsste doch glücklich sein."
Dieser Gedanke macht das Ganze häufig noch schwieriger.
Du hast gerade den Menschen geheiratet, den du liebst. Vielleicht war die Hochzeit genauso, wie ihr sie euch vorgestellt habt. Vielleicht sogar schöner.
Und jetzt sitzt du da und bist traurig?
Das passt scheinbar nicht zusammen.
Doch zwei Gefühle dürfen gleichzeitig existieren.
Du kannst unglaublich dankbar für eure Hochzeit sein und sie vermissen.
Du kannst glücklich verheiratet sein und dich trotzdem leer fühlen.
Du kannst froh sein, dass der Planungsstress vorbei ist und gleichzeitig nicht wissen, wohin mit der plötzlich entstandenen Ruhe.
Das eine nimmt dem anderen nichts weg.
Vielleicht fehlt dir auch ein bisschen die "Braut-Version" von dir
Monatelang war da diese besondere Rolle.
Du hast eine Hochzeit geplant. Menschen haben nachgefragt. Es gab Termine, Entscheidungen, vielleicht einen JGA, Anproben, Gespräche und immer wieder dieses:
"Wann ist es denn soweit?"
Und dann bist du verheiratet.
Das ist natürlich der Sinn der Sache. 😉
Trotzdem kann sich dieser Übergang überraschend groß anfühlen.
Aus "Wir planen unsere Hochzeit" wird wieder Alltag.
Montagmorgen.
Wäsche.
Arbeit.
Einkaufen.
Nur eben mit Ring am Finger.
Und vielleicht braucht dein Kopf einen Moment, um dort ebenfalls anzukommen.
Social Media macht es nicht unbedingt leichter
Dann kommen die ersten Bilder.
Du schaust Videos.
Zoomst in Fotos.
Siehst Dinge, die du an diesem Tag überhaupt nicht bemerkt hast.
Und vielleicht beginnt dann das Analysieren:
Warum habe ich da so geguckt?
Hätten wir doch noch …
Warum ist das nicht anders gelaufen?
Schade, dass dieser Moment so schnell vorbei war.
Gerade nach einem Ereignis, auf das so viele Erwartungen gerichtet waren, kann die Versuchung groß sein, im Nachhinein noch einmal alles zu bewerten.
Dabei hast du deine Hochzeit nicht erlebt, um anschließend eine Qualitätskontrolle durchzuführen.
Du warst mittendrin.
Und mittendrin ist selten perfekt.
Was kann beim After Wedding Blues helfen?
Vielleicht zunächst etwas, das erstaunlich schwerfallen kann:
Nicht sofort gegen dieses Gefühl arbeiten.
Du musst aus der Zeit nach der Hochzeit nicht direkt das nächste Projekt machen.
Gebt euch Raum zum Ankommen. Erzählt euch von eurem Tag. Schaut euch Bilder an, wenn euch danach ist – und legt das Handy weg, wenn ihr merkt, dass aus Erinnern irgendwann Analysieren wird.
Und richtet den Blick langsam wieder nach vorn.
Nicht auf das nächste riesige Ereignis.
Sondern auf euch.
Denn während der Hochzeitsplanung dreht sich sehr viel um einen bestimmten Tag. Eure Beziehung dagegen geht am nächsten Morgen einfach weiter.
Eigentlich beginnt jetzt der wesentlich längere Teil.
Eine kleine Übung für die Zeit danach
Nehmt euch irgendwann nach der Hochzeit zehn Minuten und beantwortet unabhängig voneinander drei Fragen:
Welcher Moment unserer Hochzeit ist mir besonders im Kopf geblieben?
Was möchte ich aus dieser Zeit mit in unseren Alltag nehmen?
Worauf freue ich mich jetzt mit dir?
Und dann tauscht euch darüber aus.
Vielleicht stellt ihr dabei fest, dass die Hochzeit zwar vorbei ist – aber vieles von dem, was sie für euch bedeutet hat, überhaupt nicht.
Eure Hochzeit war kein Zielstrich
Ich finde diesen Gedanken besonders schön:
Monatelang läuft alles auf dieses eine Datum hinaus.
Dadurch kann leicht das Gefühl entstehen, die Hochzeit sei das große Ziel.
Dabei ist sie eigentlich eher ein Übergang.
Vorher war da eure Beziehung.
Dann kam dieser eine ziemlich besondere Tag.
Und danach ist da wieder eure Beziehung.
Mit Arbeit, Einkauf, Wäsche, Urlaub, Sonntagen auf dem Sofa, Diskussionen darüber, wer den Geschirrspüler ausräumt – und all den Dingen, die euer gemeinsames Leben eben ausmachen.
Vielleicht muss nach einer Hochzeit deshalb auch gar nicht sofort wieder etwas Großes kommen.
Ihr dürft gern:
Ankommen.
Wenn aus Vorfreude Leere wird
Genau aus diesem Grund arbeite ich gerade an meinem kleinen Online-Kurs zum Thema After Wedding Blues.
Als Freie Rednerin begleite ich Paare lange auf einen einzigen Tag hin. Als Stress- & Mentalcoachin interessiert mich aber genauso, was davor und danach mit uns passiert.
Der Kurs richtet sich an alle, die nach ihrer Hochzeit merken:
Eigentlich war alles schön. Warum fühle ich mich trotzdem so komisch?
Wir schauen uns gemeinsam an, warum dieses emotionale Loch entstehen kann, was der Übergang vom großen Hochzeitsprojekt zurück in den Alltag mit uns macht und wie du wieder Orientierung findest, ohne deine Gefühle einfach wegdrücken zu müssen.
Es wird kleine Übungen, konkrete Impulse und Möglichkeiten geben, die wunderschöne Zeit der Hochzeit nicht einfach abzuhaken, sondern bewusst in das mitzunehmen, was jetzt kommt.
Denn nach dem Ja-Wort ist nicht alles vorbei.
Jetzt beginnt euer Danach.
Zum Workbook - ❤️
50 Seiten mit Wissen, Reflexionen und konkreten Übungen, die dir helfen zu verstehen, was gerade in dir passiert – und wieder bei dir anzukommen.
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